Kamera & Postproduktion

Was fällt auf, wenn man sich die Oscar-Gewinner für ‘Best Achievement in Cinematography’ der letzten fünf Jahre mal genauer anschaut?

2010 “Avatar” (Kamera: Mauro Fiore)
2011 “Inception” (Kamera: Wally Pfister)
2012 “Hugo” (Kamera: Robert Richardson)
2013 “Life of Pi” (Kamera: Claudio Miranda)
2014 “Gravity” (Kamera: Emmanuel Lubezki)

Vier der fünf Filme entstanden grösstenteils am Computer. Im Science-Fiction- und Fantasy-Genre kommt man als Kameramann kaum mehr an computergenerierten Bildern vorbei. Es gehört heute deshalb dazu, sich mit Postproduktion und den digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Ich meine damit nicht, dass man als Kameramann gleichzeitig ein Mattepainter oder Visualartist sein muss, man erleichtert sich aber die Arbeit und kann Einfluss auf den Look des Films nehmen, wenn man sich damit auskennt.
matte painting by Tom Keller
Der Regisseur hat eine Vision und dann liegt es an mir als Kameramann, diese in die Tat umzusetzen. Egal, ob ein Bild mit der Kamera oder am Computer generiert wird, es ist jedes Mal Kreativität gefragt. Bevor man kreativ werden kann, muss man aber das Handwerk erlernen. Das ist nicht immer einfach. Ich habe Monate mit Onlinetutorials verbracht. Man kann zwar relativ schnell tolle Effekte kreieren, bis man aber in der Lage ist, eigene Ideen umzusetzen, statt nur nachzuahmen, dauert es schon mal Jahre.

Ich habe 2004 mit After Effects 6 angefangen, arbeite nun mit AE cc und kann mit Stolz sagen, ein Hobby-Visualartist zu sein. Hier die wichtigsten Tutorial-Seiten, die ich im Verlauf der letzten zehn Jahre immer wieder besucht habe:

videocopilot von Andrew Kramer
(Dank ihm und seinen kostenlosen Tutorials haben Tausende den Einstieg in After Effects geschafft.)
tuts+
(Die haben tolle Tutorials u.a. für After Effects, Photoshop und Cinema 4D. Leider sind nicht alle kostenlos.)
creativecow
(After Effects Tutorials zu allem Möglichen.)

In fast allen meiner Kurzfilm-Projekte der letzten drei Jahren war ich auch als Visualartist tätig. Von einfachen Retusche- und Rotoskopier-Arbeiten bis zu aufwändigen Mattepaintings ist alles dabei. Hier ein paar Beispiele meiner Arbeiten:

Am Computer etwas zu erschaffen macht unglaublich Spass. Vor allem ist es aber für meine Arbeit als Kameramann eine grosse Bereicherung, selbst in der Postproduktion tätig zu sein.
Schliesslich ist es meine Aufgabe, dem Visualartist das bestmögliche Material zu liefern. Bei den Aufnahmen habe ich deshalb immer auch die Postproduktion im Kopf. Falsche Entscheidungen am Set können sich schnell in zusätzliche Postproduktions-Tage auswirken. Wenn man selber in der Postproduktion gearbeitet hat, sensibilisiert man sich für die lauernden Gefahren beim Drehen und vermeidet kostspielige Fehler.